Saisonstart und die neue Perspektive

24.07.2018

Der Fussball bewegt Massen, ausgeprägt gerade in den letzten Wochen mit dem Turnier auf allerhöchster Ebene. Mittlerweilen ist der neue Weltmeister bekannt, sind die Wogen geglättet und alles konzentriert sich wieder auf das nationale und regionale Fussball-Geschehen. Auch beim FC Ebnat-Kappel stehen die Termine fest, wird der Ferienrhythmus langsam aber sicher vom Vorbereitungs- und Wettkampfmodus abgelöst. Spannung wird aufgebaut und es gilt neue sportliche Ziele anzuvisieren. So war es immer und so wird es auch in Zukunft sein. Von all diesem wurde auch der Schreibende immer wieder gepackt. Nun aber, nach fast 48 Jahren beim FC Ebnat-Kappel, ist der Moment gekommen, den Notizblock beiseite zu legen und sich von den festen Terminen zu verabschieden. Als Matchberichterstatter war ich in all den Jahren immer nahe dran am Geschehen, nun aber habe ich mich für die Perspektive des reinen Geniessers entschieden. Ich werde zwar weiter mit Interesse verfolgen, wie es den Mannschaften den FC Ebnat-Kappel so läuft. Allerdings jetzt ganz entspannt aus der hintersten Reihe. Für mich der Moment, kurz zurückzuschauen und einige Erinnerungen aufzufrischen. Eigentlich war dies nur für einen kleinen Kreis gedacht, ich will aber dem Wunsch unseres Webmasters, dies auch auf der Homepage des FC Ebnat-Kappel platzieren zu dürfen, gerne nachkommen.

Es begann im Jahre 1970

Als 24-Jähriger zog es mich mit meiner jungen Familie 1970 ins Toggenburg und hier bald einmal auch zum hiesigen Fussball-Club. Trainiert wurde noch auf dem Firmengelände der Giezendanner AG im Steinenbach. Einfachste Verhältnisse, eine ziemlich holprige und nicht wirklich ideale Wiese, enge Verhältnisse, höchst bescheidenes Licht, aber wir waren voller Elan. Und der Ball rollte, zwar auch vom Terrain her nicht immer so, wie wir es vielleicht gedacht hatten, aber Spass und Begeisterung waren immer dabei. Gespielt wurde in der ersten Saison 1970/71 erst einmal auswärts, trainiert später mitten im Dorf, hinter dem Migros-Gebäude, in dem dazumal auch noch das Kino Säntis betrieben wurde. Bereits in der ersten Meisterschafts-Saison standen auch Juniorenteams im Einsatz; die A- und C-Junioren spielten um Punkte, die B-Junioren versuchten sich in Freundschaftsspielen. Aber auch ein Frauen-Team gab es damals bereits, mit Spielerinnen aus der weiteren Region und fast revolutionär für die damalige Zeit! Da begann auch meine Zeit als Trainer. Fast ein Vierteljahrhundert hielt diese Begeisterung an. Unvergessliche Jahre, zuerst mit den A-Junioren, dann mit den ersten E-Junioren und später mit den legendären C-Junioren. Da schafften wir sogar den Aufstieg in die damalige Inter-CII-Klasse, wo wir es mit Teams wie Schaffhausen, Winterthur, Baden, Red Star, Bülach oder Rapperswil zu tun bekamen. Spannende und unvergessliche Jahre. Der Fussball hatte Ebnat-Kappel definitiv erobert und auf sportlicher Ebene durch den FC Ebnat-Kappel über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt gemacht. Auch ich war Feuer und Flamme für den Fussball und unseren Verein und bereit, auf allen Ebenen mitzuarbeiten, im Vorstand, im Grümpi-OK oder als Trainer. Neben der Jugendarbeit gab es da allerdings auch die Ziele der ersten Mannschaft. Tolle Jahre mit absoluten «Sternstunden», etwa dem Platzeröffnungs-Spiel vom 11. Juli 1971 in der Gill, vorgängig zum grossen Match der Internationalen Sommermeisterschaft zwischen Schweizermeister Grasshoppers und Austria Salzburg. Ein grosser Moment waren natürlich auch die ersten Aufstiegsspiele 1975 gegen Wängi (wo nach dem 2:2 in Ebnat-Kappel und dem gleichen Resultat im Hinterthurgau unsere Aufstiegsträume erst im Penaltyschiessen beendet wurden). Es sollte auch über die Spiele berichtet werden – und da schien der Mitarbeiter der hiesigen Zeitung natürlich der geeignete Mann. 1971 landete also auch dieses Mandat bei mir. Was ist da in all den Jahren nicht alles an Berichten zusammengekommen, eine Unmenge! Es gab zwar auch andere, die ab und zu zur Feder griffen, in den mittlerweile 47 Jahren konnte ich mich aber immer wieder für diese Arbeit begeistern. Die Faszination Fussball, die Nähe zum Club und zur ersten Mannschaft waren Triebfedern, die Freude am Schreiben und Fotografieren die zwingenden Voraussetzungen. Diese Eigenschaften motivierten mich auch zu den Festschriften zum 10-Jahr- und später zum 40-Jahr-Jubiläum. Eine interessante Aufarbeitung all meiner Unterlagen, Erfahrungen und Erlebnisse aus der FCEK-Zeit. Da wurden Erinnerungen wach an so viele herrliche Momente. So entlarvte ich mich etwa auch als Geburtshelfer der Veteranen-Abteilung, weil nicht wenige im Jahre 1987 sehr daran interessiert waren, trotz vorgerücktem Alter weiter Fussball spielen und die Kameradschaft pflegen zu können.

Loslassen und noch freier sein

Jetzt, im Jahr vor dem 50-Jahr-Jubiläum des Clubs, scheint für mich die Zeit reif, ganz loszulassen und neue Prioritäten zu setzen. Das will heissen, dass mit der Saison 2017/18 auch meine Zeit als Schreibender zu Ende ging. Es geschieht dies mit einem lachenden und weinenden Auge, aber auch im klaren Willen, vermehrt auf den Körper und die «artheriosen» Gelenke zu achten. Im 73. Lebensjahr beginnt man sich immer intensiver an jedem Tag und an den vielen Kleinigkeiten zu freuen, die das Leben erst ausmachen. Dazu gehört eben auch, noch «freier» zu sein. Nun, es hat ja auch niemand gesagt, dass ich das so lange hätte machen müssen!

Mit dem FCEK und dem Fussball werde ich verbunden bleiben, freue mich aber darauf, künftig den Urenkeln nicht mehr sagen zu müssen, dass ich wegen des Fussballs leider jetzt gehen müsse oder eben gerade keine Zeit habe. Vielen Dank allen, die mich in der Arbeit unterstützt haben! Es lebe der Fussball! Viel Spass und sportlichen Erfolg, das wünsche ich Euch allen. Es lebe der Fussball, es lebe der FC Ebnat-Kappel!

 

Herzliche Grüsse und bliibed gsond!

Walter Züst

 

Einige Bilder auf dem Weg durch die FCEK-Jahre.

Bild 1: Die Arbeit mit der Jugend machte besonders viel Spass. 23 unvergessliche Jahre!

Bild 2: Internes Testspiel der C- und B-Junioren. Im Hintergrund wurde gerade das Provisorium des Coop-Ladens an der Sonneggstrasse aufgerichtet. Trainer der B-Junioren war Hans Giezendanner, Juniorenobmann Willi Looser.

Bild 3: Erkennen sie die Jungs noch? Die ersten E-Junioren, von denen die meisten in diesem Jahr 50 Jahre alt werden.

Bild 4: Turniersieg mit den ehemaligen Inter-C-Junioren am Pfingsttreffen in Stuttgart. Da gehörte natürlich auch eine Besichtigung des grossen Stadions dazu.

Bild 5: Spannend auch die Arbeit mit den damaligen B-Junioren.

Bild 6: Ein besonderer Höhepunkt in der Zeit als Aktivspieler: Die Einweihung des Sportplatzes Gill am 11. Juli 1971.

Bild 7: Im Jahre 1975 qualifizierten wir uns als 4.-Liga-Gruppensieger erstmals für die Aufstiegsspiele.

Bild 8: Ein spannendes Treffen: Supporter und Altinternationale (Köbi Kuhn, Kudi Müller, Bigi Meyer und Co.) bei der Einweihung der sanierten Sportanlage Gill im Jahre 1999.


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